vdw-Frühstück: Quartiersarbeit in der Praxis
12. Juni 2026
Wie vielfältig Sozial- und Quartiersarbeit in der Wohnungswirtschaft heute ist, zeigte das vdw-Frühstück, das den fachlichen Impuls mit einem offenen kollegialen Austausch verband. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Wohnungsunternehmen Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen, Nachbarschaften stabilisieren und zugleich das Quartier als Ganzes im Blick behalten können.
Den fachlichen Auftakt gestaltete Martin Weinhold aus Plauen mit seinem Impulsvortrag „Quartiersarbeit in der Praxis – Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen durch Beratung, Netzwerkarbeit und gemeinschaftsfördernde Angebote als Teil moderner Wohnungs- und Sozialarbeit“. Anhand praktischer Erfahrungen aus Plauen, insbesondere aus dem Stadtteil Chrieschwitz, gab er einen anschaulichen Einblick in die tägliche Arbeit eines Quartiersmanagers. Deutlich wurde dabei, dass Quartiersmanagement weit mehr ist als die Organisation einzelner Angebote. Es verbindet Beratung, Netzwerkarbeit, Vermittlung, Aktivierung und Koordination und bewegt sich damit an der Schnittstelle zwischen Wohnungswirtschaft, kommunalen Strukturen, sozialen Trägern und den Menschen vor Ort.
Im Vortrag wurden zentrale Aufgaben und Ziele des Quartiersmanagements herausgearbeitet. Dazu zählt, Unterstützungsbedarfe frühzeitig zu erkennen, Zugänge zu Hilfesystemen zu erleichtern, Nachbarschaften zu stärken und Räume für Begegnung zu schaffen. Gerade in Quartieren mit sozialen Herausforderungen kommt es darauf an, verlässliche Ansprechpersonen zu etablieren, Vertrauen aufzubauen und Angebote nicht nur kurzfristig anzustoßen, sondern dauerhaft zu begleiten.
Der Impulsvortrag bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für Nachfragen und führte unmittelbar in einen intensiven Erfahrungsaustausch. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass Sozialarbeit und Quartiersarbeit zwar eng miteinander verbunden sind, in der Praxis jedoch nicht ohne Weiteres in einer Person aufgehen können. Die Aufgaben sind jeweils anspruchsvoll und umfangreich; wer einzelne Mieterinnen und Mieter in persönlichen oder wohnungsbezogenen Problemlagen begleitet, Konflikte in Hausgemeinschaften bearbeitet und zugleich quartiersbezogene Netzwerke aufbauen und pflegen soll, stößt schnell an Grenzen.
Zugleich wurde deutlich, wie wertvoll der Austausch unter Kolleginnen und Kollegen ist. Die Anwesenden profitierten von unterschiedlichen Perspektiven der jeweiligen Teilnehmer. Dabei zeigte sich aber auch, dass gute Lösungen nicht immer eins zu eins übertragbar sind. Kommunen, Jobcenter und soziale Träger arbeiten regional zum Teil sehr unterschiedlich, sodass Vorgehensweisen stets an die jeweiligen örtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden müssen.
Am Ende stand ein positives Fazit der Teilnehmenden. Das vdw-Frühstück bot Raum für fachliche Impulse, offene Fragen und praxisnahe Diskussionen über Herausforderungen, Grenzen und Lösungswege sozialer Arbeit in der Wohnungswirtschaft.
Das vdw-Frühstück ist ein neues Veranstaltungsformat des vdw Sachsen und verbindet fachlichen Input mit praktischem Austausch. Es bietet in entspannter Atmosphäre die Möglichkeit, mit anderen Fachkollegen ins Gespräch zu kommen und über Probleme, aber vor allem auch Lösungen zu diskutieren.