Thementag KI vom vdw Sachsen und VSWG stieß auf großes Interesse
20. Mai 2026
Mit fast 200 Teilnehmern stieß der gemeinsame Thementag „KI ist jetzt – Chefsache und Alltag in der Wohnungswirtschaft“ des vdw Sachsen und VSWG am 19. Mai 2026 im Flughafen Dresden auf großes Interesse. Die hohe Resonanz machte deutlich, dass Künstliche Intelligenz längst kein Zukunftsthema mehr ist, sondern beschäftigt die Wohnungswirtschaft ganz konkret im täglichen Geschäft und auf strategischer Ebene.
Bereits in ihrer Begrüßung betonte VSWG-Vorstand Mirjam Philipp, dass KI heute gleichermaßen Vorstandsaufgabe und Bestandteil des Arbeitsalltags geworden sei. Unternehmen stünden unter wachsendem Druck durch ansteigende regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel und zunehmende Komplexität der Prozesse. KI könne dabei helfen, Mitarbeiter zu entlasten, Abläufe effizienter zu gestalten und Informationen schneller verfügbar zu machen. Dies soll aber immer als Unterstützung des Menschen und nicht als dessen Ersatz gesehen werden.
Zugleich machte Mirjam Philipp deutlich, dass technologische Veränderungen immer auch Veränderungen in Unternehmenskultur, Zusammenarbeit und Führung bedeuten. Genau diese Verbindung aus strategischer Einordnung und konkreten Praxisbeispielen zog sich durch das gesamte Programm des Thementages.
Im Auftaktvortrag zeigte Arne Rajchowski vom DigiWoh Kompetenzzentrum Digitalisierung Wohnungswirtschaft e. V., welche strukturellen Veränderungen generative KI für die Branche mit sich bringt und welche Einsatzmöglichkeiten bereits heute entlang wohnungswirtschaftlicher Kernprozesse bestehen. Dabei wurde deutlich, dass KI weit über klassische Prozessoptimierung hinausgeht und künftig erhebliche Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen haben wird.
Sandra Balicki von der VISARIO Connect GmbH lenkte den Blick auf die organisatorischen Auswirkungen von KI-Einführungen. Ihre zentrale Botschaft: Wer KI einführt, verändert zwangsläufig Prozesse, Rollen, Zusammenarbeit und Entscheidungswege im Unternehmen. Nicht die Technologie selbst sei die größte Herausforderung, sondern die unkontrollierte Nutzung sowie fehlende strategische Steuerung. Erfolgreiche KI-Einführung brauche daher ein stabiles Zusammenspiel aus Organisation, Technologie und Menschen.
Der ursprünglich vorgesehene Vortrag von Tamás Gauder von der VISARIO Connect GmbH musste krankheitsbedingt kurzfristig entfallen.
Einen besonderen Blick auf die sozialen Potenziale von Künstlicher Intelligenz richtete Christian Atz von der Bona Mondo UG mit seinem Vortrag „KIKO – Mehr als ein Chatbot. Eine Begleiterin“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI-gestützte Gespräche alleinlebende ältere Menschen im Alltag unterstützen können. Christian Atz machte deutlich, dass für viele ältere Menschen nicht fehlende Technologie das eigentliche Problem sei, sondern fehlende Gespräche und zunehmende soziale Isolation. KIKO wurde deshalb bewusst nicht als technisches Produkt, sondern als digitale Begleiterin entwickelt, die Gespräche ermöglicht, Orientierung bietet und soziale Teilhabe unterstützen kann. Der Vortrag zeigte, wie KIKO im Alltag niedrigschwellig eingesetzt
werden kann. Gleichzeitig wurde betont, dass KI menschliche Nähe und Fürsorge nicht ersetzen kann, sondern soziale und quartiersbezogene Unterstützungsangebote nur sinnvoll ergänzt. Gerade für die Wohnungswirtschaft eröffnen sich dadurch neue Ansätze, um ältere Menschen länger selbstständig in ihrer Wohnung zu unterstützen und soziale Angebote im Quartier zu stärken.
Ein zentrales Thema des Tages war die Verbindung von Digitalisierung, Energieeffizienz und regulatorischen Anforderungen. Heiko Sander von WSL Wohnen & Service Leipzig GmbH präsentierte konkrete Praxisansätze für ein datenbasiertes Energiemanagement. Im Mittelpunkt standen digitale Verbrauchserfassung, Heizungsmonitoring und KI-gestützte Optimierungen zur Senkung von Energieverbräuchen und CO₂-Emissionen. Die vorgestellten Pilotprojekte zeigten, dass sich durch intelligentes Energiemanagement nicht nur ökologische Ziele erreichen lassen, sondern auch finanzielle Entlastungen für die Mieter möglich sind.
Felix Valentin von der Enerithm Technology GmbH stellte dar, wie sich der klassische Energieausweis künftig zum digitalen Gebäudepass entwickeln wird. Hintergrund sind neue europäische Vorgaben wie die EPBD, die ab Mitte 2026 eine digitale und maschinenlesbare Erfassung von Gebäudedaten verlangen. KI könne hierbei insbesondere bei der Datenextraktion, der Datenanreicherung und der Auswahl geeigneter Sanierungsvarianten unterstützen. Gleichzeitig wurde betont, dass KI weder Fachwissen noch normative Berechnungen ersetzt, sondern als intelligentes Werkzeug dient.
Besonders praxisnah wurde es bei den Erfahrungsberichten aus der Mieterkommunikation. Mia Casadevall von der Baugenossenschaft FLUWOG-NORDMARK eG und Natascha Zorn von der Telesense Kommunikation GmbH stellten mit „WAI“ einen E-Mail-Schreibbot für die Wohnungswirtschaft vor. Die Lösung unterstützt unter anderem bei der automatisierten Bearbeitung und Zuordnung von E-Mails und der Integration in ERP-Systeme unter der Berücksichtigung der DSGVO-konformen Verarbeitung. Ziel ist es, die Mitarbeiter von repetitiven Aufgaben zu entlasten und mehr Zeit für den direkten Mieterservice zu schaffen.
Johannes Lortz von der LebensRäume Hoyerswerda eG stellte gemeinsam mit Karl Giebe von der MANAGBL AI GmbH ihre Erfahrungen mit der KI-Telefonassistentin „Dana“ vor. Ausgangspunkt war ein hohes Telefonaufkommen bei einer gleichzeitig älter werdenden Mitgliederschaft und wachsendem Servicebedarf. Die Referenten machten deutlich, dass KI nicht den persönlichen Kontakt ersetzt, sondern Mitarbeiter entlastet und standardisierte Erstkontakte strukturiert aufnimmt. Entscheidend für die Akzeptanz seien dabei Transparenz, einfache Sprache und verlässliche Prozesse.
Einen ähnlichen Ansatz präsentierte Mark Hülpüsch von der Wohnungsgenossenschaft Aufbau Dresden eG mit ihrer Genossenschafts-KI „WolfGAng“. Der Fokus lag hier auf der vollständigen Integration KI-gestützter Kommunikation in bestehende ERP- und CRM-Prozesse. Ziel ist es, Kommunikationskanäle wie Chat, Voice und Mail zentral zusammenzuführen und Prozesse ohne Medienbrüche zu organisieren. Besonders hervorgehoben wurde dabei die intensive Trainings- und Anpassungsarbeit, die notwendig ist, um KI-Systeme branchenspezifisch und praxisgerecht einzusetzen.
Einen weiteren sehr praxisnahen Einblick in aktuelle KI-Anwendungen gab Jonas Turtschan von der Very & Media GmbH mit seinem Vortrag zum digitalen Homestaging. Anhand des KI-Bildbearbeitungstools Nano Banana pro von Google und anschaulicher Vorher-Nachher-Beispiele zeigte er, wie Künstliche Intelligenz bei der digitalen Aufbereitung und Visualisierung von Wohnräumen eingesetzt werden kann. Dabei wurde deutlich, dass sich leerstehende oder sanierungsbedürftige Wohnungen mithilfe KI-gestützter Tools innerhalb kurzer Zeit realitätsnah möblieren, modernisieren und unterschiedlich gestalten lassen. Der Vortrag machte anschaulich, welche Potenziale digitales Homestaging insbesondere für Vermarktung, Vermietung und Zielgruppenansprache bietet. Durch KI-basierte Visualisierungen können Interessenten bereits frühzeitig ein konkretes Raumgefühl entwickeln und verschiedene Einrichtungs- oder Modernisierungsvarianten vergleichen. Gleichzeitig zeigte Jonas Turtschan auch die Grenzen der Technologie auf und betonte, dass die Qualität der Ergebnisse weiterhin maßgeblich von der fachlichen Steuerung und der kreativen Bewertung durch den Menschen abhängt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf KI-gestützter Protokollierung. Richard Fankhänel von der SpeechMind GmbH zeigte, wie Besprechungen, Gremiensitzungen und Projektmeetings automatisiert transkribiert und protokolliert werden können. Die vorgestellten Lösungen versprechen deutliche Zeitersparnisse bei der Protokollerstellung und Wissenssuche sowie eine lückenlose Dokumentation von Entscheidungen. Gleichzeitig standen Datenschutz, DSGVO-Konformität und transparente Nutzungskonzepte im Mittelpunkt der Diskussion.
Abgerundet wurde der Thementag durch Einblicke in den Einsatz von KI im Planungs- und Architekturbereich. Dr. Ing. Sebastian Horn von der S&P Gruppe zeigte anhand konkreter Beispiele, wie KI bereits heute bei städtebaulichen Studien, Visualisierungen, Variantenentwicklungen und der Generierung von Konzepten eingesetzt wird. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass Fachwissen und menschliche Bewertung unverzichtbar bleiben. KI könne Prozesse beschleunigen und Variantenvielfalt erhöhen. Die Verantwortung für Qualität und Plausibilität liege jedoch weiterhin beim Menschen.
Der Thementag zeigte eindrucksvoll, wie breit die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz inzwischen in der Wohnungswirtschaft geworden sind – von Energieeffizienz und Gebäudedaten über Mieterkommunikation und Wissensmanagement bis hin zu Planung, Organisation und strategischer Unternehmensentwicklung. Gleichzeitig wurde deutlich: Der erfolgreiche Einsatz von KI erfordert nicht nur technische Lösungen, sondern ebenso klare Strategien, passende Prozesse sowie die aktive Einbindung der Mitarbeitenden.
Der große Zuspruch und die intensive Diskussion während der Veranstaltung machten deutlich, dass die Wohnungswirtschaft die Chancen der Künstlichen Intelligenz aktiv gestalten will – praxisnah, verantwortungsvoll und mit klarem Fokus auf den Nutzen für Wohnungsunternehmen, Mitarbeiter sowie Mitglieder und Mieter.
Zum Abschluss griff Verbandsdirektor Alexander Müller vom vdw Sachsen diese zentrale Botschaft noch einmal sehr anschaulich auf. Für seine Schlussworte nutzte er eine KI-gestützte Brille mit integriertem intelligenten Teleprompter. Seine Rede ließ er zuvor mithilfe der KI erstellen und konnte sie dadurch frei und ohne Manuskript vortragen. Dieses Beispiel verdeutlichte auf greifbare Weise, worum es beim Einsatz
von KI geht: nicht um den Ersatz menschlicher Verantwortung oder persönlicher Kommunikation, sondern um Unterstützung, Strukturierung und Entlastung im Arbeitsalltag. KI könne vorbereiten, Wissen organisieren und neue Formen des Arbeitens ermöglichen, die persönliche Haltung, Verantwortung und den direkten Austausch jedoch nicht ersetzen.
Alexander Müller betonte zugleich, dass KI kein Selbstzweck sei. Entscheidend bleibe, technologische Entwicklungen aktiv, verantwortungsvoll und mit Augenmaß zu gestalten, damit sie den Menschen und den Unternehmen gleichermaßen dienen. Die Wohnungswirtschaft stehe dabei vor der Aufgabe, die Chancen der Technologie sinnvoll zu nutzen und gleichzeitig Verlässlichkeit, Transparenz und Menschlichkeit zu bewahren.
Der VSWG und der vdw Sachsen danken den insgesamt 18 Ausstellern sowie vier Sponsoren herzlich für ihre Unterstützung und die Mitgestaltung des Thementages. Ein besonderer Dank gilt zudem allen Referenten sowie den zahlreichen Teilnehmern für den intensiven fachlichen Austausch und die große Resonanz auf die Veranstaltung.
Quelle: VSWG Veranstaltungsbericht







