Quartiersentwicklung – Energiekonzepte und Wärmewende bei der TKI in Chemnitz
26. März 2026
Vernetzt in die Wärmezukunft: Impulse aus Chemnitz für die Wohnungswirtschaft
Die Wärmewende ist längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern konkrete Aufgabe für die Wohnungswirtschaft. Wie sie gelingen kann, zeigte eine gemeinsame Netzwerkveranstaltung mit der TKI mbH auf dem Energiecampus in Chemnitz – bereits zum zweiten Mal ein Treffpunkt für Fachleute, Praktiker und Entscheider aus der Branche.
Das ganztägige Format verband fundierte Fachvorträge mit praxisnahen Einblicken vor Ort. Genau darin liegt der besondere Mehrwert solcher Veranstaltungen: Unsere Mitglieder profitieren nicht nur von aktuellem Wissen, sondern vor allem vom direkten Austausch untereinander. Netzwerke schaffen Orientierung, beschleunigen Lernprozesse und ermöglichen Kooperationen – ein entscheidender Faktor in Zeiten tiefgreifender Transformation.
TKI als Impulsgeber für integrierte Quartierslösungen
Mit der TKI mbH stand ein erfahrener Partner im Mittelpunkt, der sich auf die Entwicklung zukunftsfähiger Stadt- und Quartierskonzepte spezialisiert hat. Besonders im Kontext von Smart-City-Ansätzen zeigt sich die Stärke des Unternehmens: Durch integrierte Informations- und Kommunikationstechnik werden unterschiedliche Akteure vernetzt und nachhaltige Infrastrukturen aufgebaut. Von der Bestandsanalyse über technische und wirtschaftliche Konzepte bis hin zur Umsetzung begleitet TKI Projekte ganzheitlich – im urbanen wie im ländlichen Raum.
Der Energiecampus in Chemnitz dient dabei als Reallabor. Hier konnten die Teilnehmenden innovative Lösungen nicht nur diskutieren, sondern im Rahmen eines Rundgangs direkt erleben.
Von der Vision zur Umsetzung: Inhalte der Fachvorträge
Gleich der erste Beitrag widmete sich dem Weg des Energiecampus zur CO₂-Neutralität.
Hier machte Experte Uwe Hofman deutlich: Entscheidend ist ein iterativer Ansatz, der wirtschaftliche und technische Entwicklungen flexibel integriert. Photovoltaik spielt dabei eine Schlüsselrolle – insbesondere durch die konsequente Ausrichtung auf Eigenverbrauch. Ergänzt wird dies durch intelligentes Quellenmanagement, etwa durch Erdsonden, Luft oder Eisspeicher, um Wärmepumpen effizient zu betreiben. Batteriespeicher erhöhen zusätzlich die Versorgungssicherheit, auch wenn ihre Wirtschaftlichkeit aktuell noch differenziert zu betrachten ist.
Im Bereich Quartierskonzepte wurde deutlich, dass Standardlösungen selten zum Ziel führen. M.SC.Dominik Güther LeiterEnergy Solutions zeigte Praxisbeispiele, individuelle Gebäude, Eigentümerstrukturen und Standortfaktoren erfordern maßgeschneiderte Ansätze. Besonders im Fokus standen sogenannte „kalte Wärmenetze“, die mit niedrigen Temperaturen arbeiten und eine hohe Integration erneuerbarer Energien ermöglichen. Auch Eisspeicherlösungen wurden als innovative und flexible Option vorgestellt.
Ebenfalls ein eindrucksvolles Praxisbeispiel lieferte basisd Vorreiter, wenn es um Themen wie die Umnutzung eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes in Pirna zu modernem Mehrgenerationenwohnen. Durch serielle Sanierung, Geothermie, Wärmepumpen und Photovoltaik entstand ein energieeffizientes Gebäude mit EH-55-Standard. Neben technischen Lösungen überzeugte auch der soziale Aspekt: Architektur schafft hier bewusst Begegnungsräume – ein wichtiger Beitrag für lebendige Quartiere.
Wenn es um individuale Konzepte für modernen Heizsystemen geht, wurden den Teilnehmern von Lerchner Wärmepumpen Geschäftsführer der Banjamin Fabisch unter anderem eine besonders effiziente Wärmepumpentechnologie vorgestellt, die mit reduziertem Energieeinsatz auskommt und gleichzeitig eine komfortable Warmwasserversorgung ohne zusätzlichen Speicher ermöglicht.
Wahnsinnig viel Praxis gab es auch beim nächsten Vortrag Geschäftsfüher der WBV Wohnbau- und Verwaltungs-GmbH Coswig Dr. Henri Lüdeke und Mario Worms Senior Key-Account-Manager Smart BuildingsVodafone Deutschland GmbH verdeutlichten die Rolle der Digitalisierung im Bereich Energiemonitoring und KI-Anwendungen deutlich: Live-Daten zu Verbrauch, Temperaturen und technischen Parametern ermöglichen eine optimierte Steuerung von Gebäuden. Offene Schnittstellen und anbieterneutrale Daten sind dabei entscheidend, um langfristig flexibel zu bleiben. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten für Reporting, Wartung und Betriebssicherheit.
Ein weiterer Vorreiter der digitalen Infrastruktur Heiko Sander Geschäftsführer der WSL Leipzig GmbH kam als nächsten zu Wort und thematisierte den Ausbau von Glasfaser (FTTH) wird zunehmend zur Pflicht und zum Wettbewerbsvorteil. Steigende Anforderungen durch Homeoffice, Streaming und smarte Anwendungen machen leistungsfähige Netze unverzichtbar – nicht zuletzt als Argument in der Vermietung.
Abschließend wurden Wärmenetze im Quartier betrachtet. Dr. Daniel Kilper Geschäftsführer der EXAVY GmbH erläuterte uns die großen Chancen für Skaleneffekte, Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig erfordern sie hohe Investitionen, komplexe Abstimmungen und tragfähige Finanzierungsmodelle. Contracting-Ansätze können hier eine wichtige Rolle spielen.
Gemeinsam schneller vorankommen
Die Veranstaltung hat eindrucksvoll gezeigt: Die Wärmewende ist machbar – wenn technisches Know-how, wirtschaftliches Denken und starke Netzwerke zusammenkommen. Genau hier liegt die Stärke unserer Verbandsarbeit. Der Austausch zwischen unseren Mitgliedern, ergänzt durch Partner wie die TKI mbH, schafft konkrete Lösungen statt abstrakter Diskussionen.



