Parlamentarischer Abend der sächsischen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft 2026: Bezahlbares Wohnen braucht Investitionsfähigkeit und regional passende Lösungen
10. September 2026
Am 8. September 2026 luden der VSWG und der vdw Sachsen zum traditionellen Parlamentarischen Abend in das Elements – DELI & Restaurant in der Zeitenströmung in Dresden ein.
Nach der notwendigen Verschiebung des ursprünglich für den 12. Mai geplanten Termins kamen Vertreter aus Politik, Ministerien und Wohnungswirtschaft zusammen, um über die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven des Wohnens in Sachsen zu sprechen. Im Mittelpunkt standen die Investitionsfähigkeit der Wohnungsunternehmen, die Transformation der Bestände und die erheblichen regionalen Unterschiede auf dem sächsischen Wohnungsmarkt.
Alexander Müller, Verbandsdirektor des vdw Sachsen, rückte in seiner Rede die wirtschaftlichen Voraussetzungen für dauerhaft bezahlbares Wohnen in den Fokus. Seine zentrale Botschaft: „Der ostdeutsche Wohnungsmarkt ist kein Krisenmarkt. Er ist ein bezahlbarer Wohnungsmarkt, der aber unter enormem Transformationsdruck steht.“
Die durchschnittliche Nettokaltmiete der sächsischen Wohnungsunternehmen lag Ende 2025 bei 5,70 Euro je Quadratmeter. Gleichzeitig entfielen bereits 35,5 Prozent der Bruttowarmmiete auf Betriebs- und Heizkosten. Kosten, die Wohnungsunternehmen nur begrenzt beeinflussen können. Müller machte deshalb deutlich, dass die wohnungspolitische Debatte stärker die gesamten Kosten des Wohnens in den Blick nehmen müsse.
Zugleich stehen erhebliche Investitionen an: Im vergangenen Jahr investierten die sächsischen Wohnungsgenossenschaften 623,4 Millionen Euro, mehr als 93 Prozent davon in Instandhaltung und Modernisierung des vorhandenen Wohnungsbestandes. „Unsere zentrale Aufgabe ist längst nicht mehr allein das Bauen neuer Wohnungen. Unsere zentrale Aufgabe ist es, fast 300.000 vorhandene Wohnungen zukunftsfähig zu halten“, betonte der Verbandsdirektor des vdw Sachsen.
Viele Gebäude erreichen inzwischen ihren zweiten großen Sanierungszyklus. Gleichzeitig müssen die Bestände dekarbonisiert, energetisch weiterentwickelt, Barrieren abgebaut und an die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung angepasst werden. Für Müller folgt daraus eine klare Forderung: Bezahlbares Wohnen und Investitionsfähigkeit dürfen politisch nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Auch bei der energetischen Transformation müsse stärker auf Wirtschaftlichkeit und tatsächliche CO₂-Einsparungen geachtet werden. Mehr als 90 Prozent der Wohnungen der sächsischen Wohnungsunternehmen liegen bereits in den Energieeffizienzklassen B, C und D. Förderung müsse deshalb neben ambitionierten Endstandards auch Einzelmaßnahmen und die schrittweise Entwicklung ganzer Bestände ermöglichen. „Der Weg zur Klimaneutralität muss genauso förderfähig sein wie das Endergebnis“, so Alexander Müller.
VSWG-Vorstand Mirjam Philipp richtete den Blick auf die unterschiedlichen regionalen Wohnungsmärkte. „Ein und dieselbe wohnungspolitische Antwort kann in einem Bundesland richtig und falsch zugleich sein“, brachte sie die Herausforderung auf den Punkt.
Während in Dresden und Leipzig zusätzlicher Wohnraum und Nachverdichtung notwendig sind, bestimmten in vielen kleineren Städten und ländlichen Regionen Leerstand, Bestandsanpassungen und Rückbau zunehmend die Realität. Gerade dort kommt den Wohnungsgenossenschaften eine besondere Bedeutung zu: Mehr als vier von fünf Genossenschaften befinden sich außerhalb der Metropolen.
Ende 2025 standen bei den VSWG-Mitgliedsunternehmen rund 24.000 Wohnungen leer. Dies entspricht einer durchschnittlichen Leerstandsquote von 8,2 Prozent. Für die Unternehmen verursacht dieser Leerstand Kosten von mehr als 100 Millionen Euro jährlich und schränkt damit auch ihre Investitionsfähigkeit ein.
Wie unterschiedlich die Märkte sind, zeigt ein weiterer Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden durch die sächsischen Wohnungsgenossenschaften 176 Wohnungen neu gebaut und gleichzeitig 375 Wohnungen zurückgebaut. Für Mirjam Philipp ist das kein Widerspruch, sondern Ausdruck unterschiedlicher regionaler Bedarfe.
Daraus folgt ihre zentrale Forderung: „Die Förderprogramme müssen zur regionalen Realität passen und nicht die regionale Realität zum Förderprogramm.“
Förderpolitik müsse deshalb sowohl Wachstum als auch Schrumpfung gestalten können. Rückbau sei nicht automatisch ein Zeichen des Scheiterns. Wenn dauerhaft nicht mehr benötigte Wohnungen vom Markt genommen, Quartiere stabilisiert und neue Qualitäten geschaffen werden, sei dies aktive Stadt- und Regionalentwicklung.
Zugleich dürften die Entwicklungschancen im Umland wachsender Regionen nicht aus dem Blick geraten. Insbesondere die wirtschaftliche Dynamik im Raum Dresden könne auch umliegenden Städten und Gemeinden neue Impulse geben. Mirjam Philipp lud deshalb den neu gegründeten Kommunalverbund Region Dresden e. V. ein, gemeinsam mit den Wohnungsunternehmen Konzepte zur Stärkung des Umlandes im Zusammenhang mit der Halbleiteransiedlung weiterzuentwickeln.
Eine weitere Herausforderung sieht der VSWG in der kleinteiligen Struktur vieler Wohnungsunternehmen. Jede zweite Mitgliedsgenossenschaft hat höchstens 500 Wohnungen. Kooperationen und in bestimmten Fällen auch Zusammenschlüsse werden daher angesichts von Fachkräftemangel, Nachfolgeregelungen, Digitalisierung und wachsenden regulatorischen Anforderungen wichtiger. Solche strukturellen Entwicklungen dürften nicht durch vermeidbare Belastungen – etwa bei der Grunderwerbsteuer – erschwert werden.
Über allen Themen stand eine gemeinsame Forderung: Wir müssen wieder einfacher werden – beim Bauen, bei der Förderung, bei Genehmigungen und bei gesetzlichen Vorgaben. Bezahlbares Wohnen braucht weniger Komplexität, regional passende Förderinstrumente und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.
Annette Rothenberger-Temme, Abteilungsleiterin im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung (SMIL), überbrachte in Vertretung von Staatsministerin Regina Kraushaar ein Grußwort der Sächsischen Staatsregierung.
Sie unterstrich, dass Stadtentwicklung, Städtebau und sozialer Wohnungsbau zentrale Themen für das Ministerium seien. Dabei rücke neben dem Neubau zunehmend auch der vorhandene Wohnungsbestand in den Fokus. Insbesondere die Leerstandssituation zeige, wie unterschiedlich die Herausforderungen innerhalb Sachsens sind. Ziel der Staatsregierung sei es, ausgewogene Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt herzustellen.
Rothenberger-Temme würdigte zugleich die gute und verlässliche Zusammenarbeit mit VSWG und vdw Sachsen. Wie wichtig der kontinuierliche Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Verbänden ist, hatte sich erst jüngst bei Änderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gezeigt. VSWG und vdw Sachsen hatten gemeinsam mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) öffentlich auf die Auswirkungen auf die sächsische Förderpraxis hingewiesen. In der Folge konnten die entsprechenden sächsischen Regelungen mit Unterstützung der Sächsischen Aufbaubank (SAB) angepasst werden.
Der Parlamentarische Abend 2026 zeigte erneut, wie wichtig der kontinuierliche Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft ist. Zugleich wurde deutlich: Die unterschiedlichen Wohnungsmärkte in Sachsen brauchen unterschiedliche Antworten.
Die Botschaften des Abends waren klar: Bezahlbares Wohnen braucht Investitionsfähigkeit, regional passende Förderinstrumente, weniger Komplexität und verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Oder, wie Mirjam Philipp es zusammenfasste: „Bezahlbares Wohnen entsteht nicht durch immer mehr Vorgaben, sondern durch Rahmenbedingungen, unter denen Investieren und Bezahlbarkeit wieder zusammenpassen.“
Die Impulse aus den drei Redebeiträgen boten anschließend eine gute Grundlage für intensive Gespräche und einen offenen Austausch zwischen den Gästen des Parlamentarischen Abends der sächsischen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.























































