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Gemeinsam Verantwortung übernehmen – 3. Tag der kommunalen Unternehmen in Dresden

10. Juni 2026

Wie sichern wir die öffentliche Daseinsvorsorge in Zeiten tiefgreifender Veränderungen? Diese Frage stand im Mittelpunkt beim 3. Tag der kommunalen Unternehmen am 9. Juni 2026 im Penck Hotel Dresden. Der vdw Sachsen und die VKU-Landesgruppe Sachsen begrüßten rund 90 Gäste aus Kommunalwirtschaft, Wohnungswirtschaft sowie Kommunal- und Landespolitik.

Dr. Reiner Haseloff MdL, Ministerpräsident a. D., stellte den praktischen Wert öffentlicher Daseinsvorsorge heraus. Zukunftsfähige Versorgung dürfe nicht an Landesgrenzen enden. Sachsen und Sachsen-Anhalt könnten Kräfte, Wissen und Strukturen stärker bündeln. Für Stadtwerke sah er vor allem in Fernwärme und Strom zentrale Zukunftsfelder. Zugleich warb er für Realismus in der Transformation: Bestehende Netze, vielfach erst nach der Wende aufgebaut, müssten nutzbar bleiben und schrittweise für neue Energieträger ertüchtigt werden. Klimaschutz brauche klare Etappen, solide Finanzierung und Sachverstand. Sein Appell: demokratische Einflussmöglichkeiten nutzen, Zuversicht bewahren und auf das vertrauen, was gemeinsames Handeln möglich gemacht hat.

Oberbürgermeister Bert Wendsche, Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, knüpfte mit seinem Impuls zur Zukunftssicherung der Daseinsvorsorge in Sachsen daran an. Die Leistungsfähigkeit kommunaler Infrastrukturen sei keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Generationenaufgabe. Sachsen könne auf den Neuaufbau seit 1990 selbstbewusst zurückblicken; gleichzeitig träfen Energie- und Rohstoffkrisen, weltwirtschaftliche Verwerfungen und demografischer Wandel die Kommunen mit großer Wucht. Wendsche warnte vor Wunschdenken: Politisch wünschenswert sei vieles, technisch umsetzbar manches – bezahlbar müsse Daseinsvorsorge immer bleiben. Infrastrukturentwicklung müsse als Gesamtsystem geplant, regional angepasst und mit mehr kommunalem Handlungsspielraum umgesetzt werden.

Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW, richtete den Blick auf die aktuelle Wohnungs- und Klimapolitik. Beim Neubau sprach sie von einer dramatischen Lage: Gestiegene Baupreise, Zinsen und Standards führten zu Mieten, die vielerorts nicht mehr tragbar seien. Nötig seien günstigere Baukosten, kompaktere Grundrisse, schnellere Verfahren und ein praxistauglicher Gebäudetyp E, der Qualität ermöglicht, ohne Komfortstandards immer weiter auszudehnen. Für den Bestand beschrieb sie die ostdeutsche Wohnungswirtschaft als vergleichsweise gut aufgestellt, weil viele Gebäude nach der Wende umfassend modernisiert wurden. Zugleich mahnte Esser Förderprogramme an, die mit der Branche entwickelt werden, damit sie verständlich, nutzbar und realistisch finanzierbar sind.

Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des VKU, ordnete die energiepolitischen Aufgaben aus Sicht der Stadtwerke ein. Energieversorgung müsse sicher, sauber und bezahlbar sein; hinzu komme zunehmend die Resilienz kritischer Infrastrukturen. Netzbetreiber bewältigten steigende Komplexität und müssten auf Angriffe, Störungen und neue Anforderungen reagieren können. Liebing betonte, kommunale Unternehmen seien die Pragmatiker der Energiewende: Ohne sie seien weder Klimaneutralität noch Versorgungssicherheit erreichbar. Der Blick dürfe sich nicht nur auf Erzeugung richten, sondern müsse Netze, Speicher, Wärme, Finanzierung und Umsetzbarkeit zusammenführen. Bei der Wärmewende brauche es konstruktive Lösungen vor Ort und passende Rahmenbedingungen.

Zum Abschluss wurde deutlich, wie eng Wohnungs- und Energiewirtschaft bei der Zukunft der Daseinsvorsorge verbunden sind. Gewünscht wurden mehr Mut zu klaren Entscheidungen, ein praxistauglicher Rahmen für Neubau und Bestand, ein verlässliches Fernwärmepaket und bessere Finanzierungsbedingungen. Der 3. Tag der kommunalen Unternehmen zeigte: Lösungen entstehen dort, wo Kommunen, Wohnungswirtschaft, Versorger und Politik gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Wir danken allen Referenten, Teilnehmern, Ausstellern und Sponsoren für ihre Beteiligung und freuen uns auf den 4. Tag der kommunalen Unternehmen im Jahr 2027.